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Kontrapunkt zur NS-Geschichte

Die Ausstellung „Haut, Stein“ in Weimar

Eine Initiative der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora 

Am 11. April jährte sich die Befreiung der NS-Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora zum 76. Mal. Im letzten Jahr sind die großen Gedenkfeiern durch die Corona-Pandemie ausgefallen – es gab nur ein stilles Gedenken. In diesem Jahr ist es anders. 

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora erinnert an die Befreiung der Konzentrationslager vor 76 Jahren und initiierte in diesem Rahmen die Ausstellung „Haut, Stein“ des Künstlers Jakob Ganslmeier in Kooperation mit EXIT-Deutschland erstmals als Installation im öffentlichen Raum. Großformatigen Fotografien thematisieren den Ausstieg ehemaliger Neonazis aus der rechtsextremen Szene und den Umgang mit Symbolen aus dem Nationalsozialismus. 

Kontrapunkt zur NS-Geschichte

Am 08.04.2021 wurde die Ausstellung durch den Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, eröffnet. In seiner Eröffnungsrede hob er hervor, dass mit der Ausstellung an diesem geschichtsträchtigen Ort sehr bewusst ein „Kontrapunkt zur NS-Geschichte gesetzt“ wird. Die Ausstellung steht neben nationalsozialistischen Bauten: dem ehemaligen „Gauforum“, mit der die Thüringer NSDAP-Gauleitung jener Zeit architektonisch ihren Machtanspruch und die „Volksgemeinschafts“-Ideologie inszenierte. In dieser historischen Rahmung rückt die Ausstellung den Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Vordergrund und betrachtet dabei die individuelle und die gesellschaftliche Ebene. Sie hinterfragt das Verbleiben, Verwenden und Verwischen einschlägiger Zeichen aus zwei Perspektiven: In Architektur und baulichen Ornamenten schreibt sich die Symbolik des Nationalsozialismus im öffentlichen Raum fort; als Tätowierungen dienen diese Zeichen dem individuellen Bekenntnis zum Rechtsextremismus. Das Interesse an der Ausstellung war erfreulich groß. Mit Abstand und unter den pandemiebedingten Rahmenbedingungen sprachen ebenfalls Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar sowie Jakob Ganslmeier.

Schwarz/Weiß-Fotografien des Künstlers Jakob Ganslmeier zeigen historische NS-Symbole an Häusern, Schmuckbändern, Fassaden und in ihrem räumlichen Zusammenhang im Dorf, an Straßen, in Siedlungen, die bis heute unverändert sichtbar oder nach Versuchen der Verfremdung noch immer erkennbar sind. 

Daneben begleitete der Künstler über 3 Jahre intensiv die Arbeit von EXIT-Deutschland. Er porträtierte ehemalige Neonazis im Zuge der Entfernung / Überdeckung rechtsextremer Tattoos und führte mit ihnen und Mitarbeitern von EXIT-Deutschland Interviews. Entstanden ist eine künstlerische Arbeit, die den Prozess des Ausstiegs dokumentiert, Einblicke in (De-)Radikalsierungsprozesse gibt und über ihre zeitgemäße Aufarbeitung die Möglichkeit der Auseinandersetzung in unterschiedlichen Kontexten bietet. Beitrag MDR Thüringen Journal, ab Minute 11.

Die Ausstellung „Haut, Stein“ in Weimar

 

Podcast in den Spotify-Trends

Die Interviews zur Ausstellung wurden für einen Podcast eingesprochen. Die Geschichten von fünf Männern und zwei Frauen erzählen von ihrem Ein- und Ausstieg: über Gründe, Zweifel, von der Entscheidung bis zum Bruch, von ihrem Leben nach dem Ausstieg und der Entfernung von Szenetattoos. Während die Ausstellung die Entfernung der Tattoos fotografisch dokumentiert, wird durch die Geschichte die Person hinter den Fotografien sichtbar.

Die Geschichten wurden von Felix Lobrecht, Patrick Salmen, Julia Gamez Martin, Steffen Schroeder, Felix Römer, Ariana Baborie und Kai Lüftner eingesprochen. 

Das Interesse am Podcast ist überwältigend. Nach nur einem Tag war der Podcast in den deutschen Podcast-Trends von Spotify auf Platz 5 und hielt sich in der ersten Woche nach Erscheinen auf Platz 2 oder 3. Insgesamt wurden in 12 Tagen mehr als 38.000 Hörer erreicht und der Podcast mehr als 30.000 Mal abgespielt.

Den Podcast gibt es bei Spotify und überall wo es Podcasts gibt.

Die Ausstellung auf dem Stéphane-Hessel-Platz in Weimar können sich Interessierte vom 8. April bis zum 16. Mai anschauen. Ab dem 18.05.2021 ist die Ausstellung auf dem Nikolaiplatz in Nordhausen zu sehen.

Seit Jahresbeginn richtet der Blog #otd1945 („on this day 1945“) auf liberation.buchenwald.de Tag für Tag den Blick auf einzelne Geschehnisse in den ehemaligen Konzentrationslagern Buchenwald und Mittelbau-Dora und macht damit auf das diesjährige Gedenken aufmerksam. Im April ist über das Onlineportal ein vielfältiges digitales Programm anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung zugänglich. 

Mehr zur Ausstellung in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: www.liberation.buchenwald.de

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Link, Spotify, EXIT-Podcast

 

 

Mehr zum Thema Ausstieg, aktuelle Informationen zur Ausstellung, Buchungsanfragen und Ausstellungstermine findet ihr unter: www.jakobganslmeier.com | mail@jakobganslmeier.com sowie www.exit-deutschland.de |  info@exit-deutschland.de

Mehr zur Ausstellung in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: www.liberation.buchenwald.de

Eine Initiative der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Zusammenarbeit mit Jakob Ganslmeier und EXIT-Deutschland.

Mehr zur Ausstellung: Haut, Stein

Rezension: Haut, Stein